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Psalm 42Auf Gott will ich hoffen

Warum bin ich so mutlos? Warum so traurig? Auf Gott will ich hoffen, denn eines Tages werde ich ihn wieder loben, meinen Retter und meinen Gott.

Psalm 42,6 · Neues Leben. Die Bibel
Passt fürTrostHoffnungTraurigkeitTrauerSehnsucht nach Gott
Bibelvers Psalm 42: Auf Gott will ich hoffen – Hirsch trinkt am Waldbach
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Kurz erklärt

Psalm 42 ist das Gebet eines Menschen, der sich nach Gott sehnt wie ein Hirsch nach Wasser, aber fern vom Tempel festsitzt, verspottet und niedergeschlagen. Er redet mit sich selbst: „Warum bin ich so mutlos? … Auf Gott will ich hoffen.“ Dieser Kehrvers kommt zweimal in Psalm 42 und noch einmal in Psalm 43 vor. Der Psalm gibt Worte für Zeiten, in denen Gott fern scheint, und passt zu Trauer, Erschöpfung und Glaubenskrisen.

Geschrieben von
den Nachkommen Korachs, einer Familie von Tempelsängern
Teil des Buches
der erste Psalm im zweiten Psalmenbuch (Psalm 42–72)
Gehört zusammen mit
Psalm 43 – gleicher Kehrvers, ursprünglich wohl ein Lied
Art
Ein Klagelied, das sich zur Hoffnung durchringt

Hebräisch

Das Schlüsselwort

hochili harre! – warte voller Erwartung, hoffe

Aussprache
ho-CHI-li
Vorkommen
Das Grundwort „jachal“ steht 40-mal im Alten Testament, in Psalm 42 und 43 dreimal im Kehrvers.
Strong-Nummer
H3176יָחַלjachal · Verb · 40-mal im Alten Testament„A primitive root; to wait; by implication, to be patient, hope.“eine Grundwurzel; warten; daraus abgeleitet: geduldig sein, hoffen.Strong’s Exhaustive Concordance (1890) · Nr. H3176 · ganzer Eintrag ↗

Im Hebräischen spricht der Beter seine eigene Seele an, ganz wörtlich: „Was bist du gebeugt, meine Seele, und unruhig in mir? Harre auf Gott!“ „Hochili“ ist ein Befehl an sich selbst. Strong’s Wörterbuch nennt als Grundbedeutung „warten“ und leitet daraus ab: geduldig sein, hoffen. Hoffnung ist hier kein Gefühl, das einfach kommt, sondern eine Entscheidung: Ich warte auf Gott, auch wenn ich ihn gerade nicht spüre.

Dasselbe Wort steht in den Klageliedern, mitten in den Trümmern Jerusalems: Weil Gottes Erbarmen jeden Morgen neu ist, will der Beter auf ihn hoffen (Klagelieder 3,21–24). Und in Psalm 130 wartet der Beter auf Gott mehr als die Wächter auf den Morgen. Biblische Hoffnung schaut nicht weg vom Schmerz, sie schaut durch ihn hindurch auf Gott.

Psalm 42 · Neues Leben. Die Bibel

Der ganze Psalm

  1. 1Für den Chorleiter: Ein Psalm der Nachkommen Korachs.
  2. 2Wie der Hirsch nach Wasser dürstet, so sehne ich mich nach dir, mein Gott.
  3. 3Mich dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und ihn sehen?
  4. 4Tränen sind meine Speise bei Tag und Nacht, denn ständig verspotten mich meine Feinde und höhnen: »Wo ist nun dein Gott?«
  5. 5Wenn ich an früher denke, bricht mir das Herz: Da ging ich der großen Menge voran und führte sie zum Hause Gottes, da konnte ich jubeln und danken in der feiernden Menge.
  6. 6Warum bin ich so mutlos? Warum so traurig? Auf Gott will ich hoffen, denn eines Tages werde ich ihn wieder loben, meinen Retter und meinen Gott.
  7. 7Jetzt bin ich mutlos, darum denke ich an dich aus dem Land am Jordan und dem Hermongebirge, auf dem Berg Misar.
  8. 8Rings um mich tobt das Wasser, während Wellen und Wogen über mich hinweggehen.
  9. 9Am Tag schenkt der HERR mir seine Gnade, und in der Nacht singe ich ihm Lieder und bete zu Gott, der mir das Leben gibt.
  10. 10Zu Gott, meinem Felsen, rufe ich: »Warum hast du mich verlassen und warum muss alles so dunkel um mich sein und ich unter der Gewalt meiner Feinde leiden?«
  11. 11Ihr Spott ist mir wie eine tödliche Wunde, wenn sie spotten und fragen: »Wo ist nun dein Gott?«
  12. 12Warum bin ich so mutlos? Warum so traurig? Auf Gott will ich hoffen, denn eines Tages werde ich ihn wieder loben, meinen Retter und meinen Gott!

Auslegung

Was der Text sagt

Hintergrund, Zusammenhang und die wichtigsten Begriffe von Psalm 42.

01

Durst nach Gott in der Fremde

Der Beter sitzt im Norden Israels fest, am Jordan und am Hermongebirge, weit weg von Jerusalem (Vers 7). Früher führte er die Festzüge zum Tempel an (Vers 5), jetzt kann er nicht mehr hin. Seine Feinde spotten: „Wo ist nun dein Gott?“ Er vergleicht sich mit einem Hirsch in der Trockenzeit, der verzweifelt nach Wasser sucht. Sein Durst gilt nicht einem Ort, sondern Gott selbst, dem „lebendigen Gott“ (Vers 3). Die Nachkommen Korachs waren Sänger am Heiligtum. Umso schwerer wog es für sie, fern davon zu sein.

02

Ein Gespräch mit der eigenen Seele

Das Besondere an Psalm 42 ist der Kehrvers in Vers 6 und 12. Der Beter redet nicht nur zu Gott, er redet sich selbst an. Er lässt seine Traurigkeit nicht einfach reden, er stellt ihr Fragen und hält ihr Gottes Treue entgegen. Dabei verschweigt er nichts: Er sagt Gott offen, dass er sich verlassen fühlt (Vers 10). Aber er hört nicht bei der Klage auf. Jedes Mal endet der Kehrvers mit der Hoffnung, Gott wieder zu loben. Psalm 43 führt dieses Gebet weiter und bittet um Gottes Licht und Wahrheit.

03

Wellen und Wogen

In Vers 8 beschreibt der Beter, wie Wasser über ihm zusammenschlägt. Am Hermon stürzen nach der Schneeschmelze laute Wildbäche und Wasserfälle zu Tal, die Quellen des Jordan. Was dem Hirsch fehlt, ist für den Beter zu viel: Er fühlt sich vom Wasser überrollt. Im Grundtext nennt er sie sogar „deine Wogen“. Auch in der Not bleibt er bei Gott. Mitten in diesem Bild steht der Trost von Vers 9: Am Tag schenkt Gott seine Gnade, in der Nacht ein Lied.

Verstehen heute

Wie wir den Vers richtig lesen

Zuerst ist Psalm 42 das ehrliche Gebet eines Israeliten, der vom Tempel getrennt ist. Er zeigt: Auch treue Gläubige kennen dunkle Zeiten, in denen Gott fern scheint. Die Bibel verschweigt das nicht, sie gibt Worte dafür. Jesus selbst sagte in Gethsemane, seine Seele sei zu Tode betrübt (Matthäus 26,38). Viele Ausleger hören darin ein Echo auf den Kehrvers von Psalm 42.

Für Christen hängt die Sehnsucht nach Gott nicht mehr an einem Tempel in Jerusalem. Jesus lädt jeden ein, der Durst hat, zu ihm zu kommen und zu trinken (Johannes 7,37). Das Wasser, das er gibt, wird zu einer Quelle, die nicht versiegt (Johannes 4,14). Trotzdem kann auch ein Christ Zeiten erleben, in denen er Gott nicht spürt. Psalm 42 lehrt dann: Sag Gott ehrlich, wie es dir geht, und sprich dir seine Treue zu.

Für dein Leben

Was das für dich heißt

1

Rede mit deiner Seele

Wenn trübe Gedanken kreisen, frag dich wie der Beter: Warum bin ich so niedergeschlagen? Und dann sag dir laut den zweiten Teil: Auf Gott will ich hoffen.

2

Erinnere dich

Der Beter denkt an frühere Feste mit Gott zurück. Schreib dir auf, wo du Gott schon erlebt hast, und lies es an schweren Tagen.

3

Ein Lied für die Nacht

Wenn du nicht schlafen kannst, sprich Vers 9 als Gebet. Du musst die Nacht nicht allein durchstehen.

Gebet

Gott, manchmal bin ich mutlos und traurig, und du scheinst weit weg. Danke, dass ich dir das ehrlich sagen darf. Ich will auf dich hoffen, auch wenn ich dich gerade nicht spüre. Lass mich dich wieder loben, meinen Retter und meinen Gott. Amen.

Psalm 42 · Häufige Fragen

Fragen zum Vers

Was bedeutet „Was betrübst du dich, meine Seele“?
So übersetzt Luther den Kehrvers von Psalm 42 (Vers 6 und 12). Der Beter spricht seine eigene Seele an und fragt, warum sie so niedergedrückt ist. Dann ermutigt er sich selbst, auf Gott zu hoffen. Es ist ein Gespräch mit sich selbst, das die Traurigkeit ernst nimmt, ihr aber nicht das letzte Wort lässt.
Wer hat Psalm 42 geschrieben?
Die Überschrift nennt die Nachkommen Korachs, eine Familie von Sängern und Torhütern am Heiligtum. Elf Psalmen tragen ihren Namen. Welcher Sänger genau Psalm 42 verfasst hat und wann, sagt die Bibel nicht.
Was bedeutet „Wie der Hirsch nach Wasser dürstet“?
Das ist Vers 2 von Psalm 42. Der Beter vergleicht seine Sehnsucht nach Gott mit einem Hirsch, der in der Trockenzeit nach Wasser sucht. So lebensnotwendig wie Wasser für das Tier ist Gott für ihn. Der Vers ist eines der bekanntesten Bilder für die Sehnsucht nach Gott.

Bibeltext: Bibeltext aus: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 / 2006 / 2024 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen. Verwendet mit freundlicher Genehmigung.

Grundlagen der Auslegung: Strong’s Exhaustive Concordance, Nr. H3176 (über biblehub.com)

Auslegung: christliche-bilder.net. Die Bildmotive sind KI-unterstützt erstellt. Stand: .