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Psalm 130Aus tiefster Verzweiflung schreie ich zu dir

HERR, aus tiefster Verzweiflung schreie ich zu dir. Herr, höre mein Rufen und vernimm mein Gebet!

Psalm 130,1–2 · Neues Leben. Die Bibel
Passt fürTrauerGebetSchuld und VergebungKriseHoffnungBeerdigung
Bibelvers Psalm 130: Aus tiefster Verzweiflung schreie ich zu dir – Tiefe Schlucht im ersten Licht
Kostenlos · CC-Lizenz, nicht kommerziell · KI-unterstützt erstellt

Kurz erklärt

Psalm 130 ist das Gebet eines Menschen, der ganz unten ist und aus der Tiefe zu Gott schreit. Er bringt seine Schuld vor Gott, erfährt Vergebung und wartet auf Gottes Hilfe sehnsüchtiger als die Wächter auf den Morgen. Am Ende ruft er ganz Israel auf, auf den gnädigen Gott zu hoffen. Der Psalm gibt Worte, wenn man selbst keine mehr hat, und wird darum oft in Zeiten von Trauer, Schuld und Krise gebetet.

Geschrieben von
einem Beter, dessen Name nicht genannt wird
Teil des Buches
die 15 Wallfahrtslieder, Psalm 120–134
Art
Ein Klagegebet, einer der sieben Bußpsalmen
Bekannt als
„De profundis“ (lateinisch: Aus der Tiefe), Vorlage für Luthers Lied „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“

Hebräisch

Das Schlüsselwort

mima'amakim aus den Tiefen – aus dem tiefen Wasser, aus dem Abgrund

Aussprache
mi-ma-a-ma-KIM
Vorkommen
Das Wort ist selten: Es steht nur 5-mal im Alten Testament.
Strong-Nummer
H4615מַעֲמָקma'amak · Substantiv, männlich · 5-mal im Alten Testament„From amaq; a deep.“von amaq (tief sein); eine Tiefe.Strong’s Exhaustive Concordance (1890) · Nr. H4615 · ganzer Eintrag ↗

Das Wort steht in der Mehrzahl: „aus den Tiefen“. Gemeint sind ursprünglich tiefe Wasser. In Psalm 69 klagt David, er versinke im tiefen Wasser und die Flut schlage über ihm zusammen (Psalm 69,3.15). Bei Jesaja sind es die Tiefen des Meeres, durch die Gott seinem Volk beim Auszug aus Ägypten einen Weg gebahnt hat (Jesaja 51,10). Wer „aus den Tiefen“ ruft, fühlt sich wie ein Ertrinkender, der keinen Boden mehr unter den Füßen hat.

Die NLB übersetzt darum treffend „aus tiefster Verzweiflung“. Bemerkenswert ist, dass der Beter in der Tiefe nicht verstummt. Er ruft, und zwar nicht ins Leere, sondern zu dem, der ihn hört. Und Jesaja 51,10 zeigt: Gott kann gerade durch die Tiefe einen Weg bahnen.

Psalm 130 · Neues Leben. Die Bibel

Der ganze Psalm

  1. 1Ein Psalm für die Pilgerfahrt nach Jerusalem. HERR, aus tiefster Verzweiflung schreie ich zu dir.
  2. 2Herr, höre mein Rufen und vernimm mein Gebet!
  3. 3HERR, wenn du unsere Sünde anrechnen würdest, wer, Herr, könnte da bestehen?
  4. 4Doch du schenkst uns Vergebung, damit wir lernen, dich zu fürchten.
  5. 5Ich hoffe auf den HERRN von ganzem Herzen, und ich vertraue auf sein Wort.
  6. 6Ich warte auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen, ja, mehr als die Wächter auf den Morgen.
  7. 7Israel, hoffe auf den HERRN! Denn der HERR ist gnädig und sein Erbarmen ist groß.
  8. 8Er selbst wird Israel befreien von allen seinen Sünden.

Auslegung

Was der Text sagt

Hintergrund, Zusammenhang und die wichtigsten Begriffe von Psalm 130.

01

Ein Pilgerlied aus der Tiefe

Psalm 130 gehört zu den fünfzehn Wallfahrtsliedern (Psalm 120–134), die Israeliten auf dem Weg zu den Festen in Jerusalem sangen. Der Psalm hat einen klaren Weg: Er beginnt ganz unten mit einem Schrei (Vers 1–2). Dann spricht der Beter seine Schuld aus und erfährt Vergebung (Vers 3–4). Danach wartet und hofft er (Vers 5–6). Am Ende wendet er sich an das ganze Volk Israel (Vers 7–8). Aus dem einsamen Schrei wird eine Einladung zur Hoffnung für alle.

02

Vergebung, die Ehrfurcht weckt

Die Tiefe des Beters ist nicht nur Leid, sondern auch Schuld. Er weiß: Wenn Gott jede Sünde anrechnen würde, könnte niemand vor ihm bestehen (Vers 3). Dann folgt ein überraschender Satz: Gott vergibt, „damit wir lernen, dich zu fürchten“ (Vers 4). Man würde erwarten, dass Vergebung zu Leichtsinn führt. Doch wer erfahren hat, wie groß Gottes Gnade ist, nimmt ihn ernster als vorher. Ehrfurcht meint hier keine Angst vor Strafe, sondern staunenden Respekt vor einem Gott, der so gnädig ist.

03

Wie Wächter auf den Morgen

Für sein Warten wählt der Beter ein Bild aus dem Alltag. Wächter standen nachts auf der Stadtmauer und hielten Ausschau nach Feinden. Die Nacht war lang, kalt und gefährlich. Sehnsüchtig warteten sie auf den ersten Lichtschein, denn dann war ihr Dienst getan. Zugleich wussten sie sicher: Der Morgen kommt. Der Beter nennt den Vergleich gleich zweimal hintereinander, so stark ist seine Sehnsucht. Sein Hoffen ist kein vages Wünschen. Es stützt sich auf Gottes Wort (Vers 5), so wie der Wächter sich auf den Sonnenaufgang verlässt.

Verstehen heute

Wie wir den Vers richtig lesen

Zuerst betete ein einzelner Israelit diesen Psalm, und mit ihm das ganze Volk, das auf Gottes Erlösung wartete. Der letzte Vers verspricht, dass Gott selbst Israel von allen Sünden befreien wird. Das Neue Testament zeigt, wie Gott dieses Versprechen einlöst: Der Engel kündigt Josef an, dass Jesus sein Volk von seinen Sünden retten wird (Matthäus 1,21). Johannes schreibt: „Wenn wir ihm unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns vergibt“ (1. Johannes 1,9).

Psalm 130 erlaubt es, ehrlich zu klagen. Wer trauert oder verzweifelt ist, muss sich vor Gott nicht zusammenreißen. Der Beter beschönigt seine Lage nicht, aber er bleibt nicht allein in der Tiefe: Er wendet sich an Gott. Darum begleitet dieser Psalm seit Jahrhunderten Menschen in Trauer, bei Beerdigungen und in schweren Nächten. Martin Luther machte aus ihm das Lied „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“.

Für dein Leben

Was das für dich heißt

1

Leih dir die Worte

Wenn du selbst keine Worte mehr findest, bete Psalm 130 langsam laut. Er sagt, was du fühlst, und führt dich Schritt für Schritt von der Tiefe zur Hoffnung.

2

Bring auch die Schuld mit

Manchmal liegt auf dem Herzen nicht nur Leid, sondern auch Schuld. Sprich sie vor Gott aus, so konkret du kannst. Er schenkt Vergebung.

3

Halte durch bis zum Morgen

In schweren Nächten hilft es, an die Wächter zu denken: Der Morgen kommt sicher. Schreib Vers 5 und 6 auf einen Zettel und leg ihn neben dein Bett.

Gebet

Herr, manchmal fühle ich mich ganz unten, und mir fehlen die Worte. Höre mein Rufen, auch wenn es nur ein Seufzer ist. Danke, dass bei dir Vergebung ist. Ich warte auf dich wie ein Wächter auf den Morgen. Amen.

Psalm 130 · Häufige Fragen

Fragen zum Vers

Was bedeutet „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“?
Der Beter fühlt sich wie ein Ertrinkender in tiefem Wasser – erdrückt von Not und Schuld. Trotzdem verstummt er nicht, sondern ruft zu Gott. Der Psalm zeigt: Kein Mensch ist so tief gefallen, dass Gott ihn nicht hören könnte.
Warum gehört Psalm 130 zu den Bußpsalmen?
Weil der Beter darin seine Schuld vor Gott bekennt und auf Vergebung hofft. Die Kirche zählt seit alter Zeit sieben Psalmen zu den Bußpsalmen: Psalm 6, 32, 38, 51, 102, 130 und 143. Psalm 130 ist einer der bekanntesten davon.
Passt Psalm 130 zu einer Beerdigung?
Ja. Der Psalm nimmt Schmerz und Verzweiflung ernst und führt doch zur Hoffnung auf Gottes Erbarmen. Besonders Vers 5–6 über die Wächter, die auf den Morgen warten, tröstet viele Trauernde.

Bibeltext: Bibeltext aus: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 / 2006 / 2024 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen. Verwendet mit freundlicher Genehmigung.

Grundlagen der Auslegung: Strong’s Exhaustive Concordance, Nr. H4615 (über biblehub.com)

Auslegung: christliche-bilder.net. Die Bildmotive sind KI-unterstützt erstellt. Stand: .